News aus der Natur und Tierwelt - Newsletter Juni 2010


Wisente im Rothaargebirge

Das Ur-Rind der alten Germanen kommt zurück. In einem spannenden Experiment sollen Wisente im Rothaargebirge in die Natur zurückkehren.
Im Rothaargebirge im südöstlichen Nordrhein-Westfalen gibt es wieder Wisente. Im April startete hier eines der größten Wiederansiedelungsprojekte für Wildtiere in Deutschland. Neun Wisente wurden in ein 80 Hektar großes Auswilderungsgehege gebracht. Sobald sich die Tiere an die neue Umgebung gewöhnt und wieder ihre natürliche Scheu vor dem Menschen entwickelt haben, werden sie in die Freiheit entlassen. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von Biologen der Universitäten Frankfurt, Göttingen und Siegen Das zukünftige Gebiet der Herde umfasst ein fast 4400 Hektar großes zusammenhängendes Waldgebiet. Die Mittelgebirgslandschaft mit dem typischen feuchten, subatlantischen Klima ist ideal für Wisente. Die bisher ausgewiesene Projektfläche bietet Lebensraum für 25 Wisente. Es besteht aber die Möglichkeit das Gebiet auf 20 000 Hektar zu erweitern. Dann könnten in Zukunft sogar bis zu 100 Wisente durch die Wälder des Rothaargebirges ziehen. (www.wisente-rothaargebirge.de)

Zweiter "Pizzly" entdeckt

Es gibt sie tatsächlich - Kreuzungen zwischen Eisbären und Grizzlies. Ist diese mächtige "Neuzüchtung" eine Folge des Klimawandels?
Eisbären und Grizzlys sind enge Verwandte. Paarungen hielt man jedoch für ausgeschlossen, bis vor vier Jahren zum ersten Mal eine Mischung aus Grizzly und Eisbär entdeckt wurde. Ein Jäger hatte den ungewöhnlichen Bär mit weißen Fell und braunen Pranken in Kanada geschossen. Als Grolar-Bär oder Pizzly wurde das Tier bezeichnet. Jetzt erlegte ein Jäger in der kanadischen Arktis erneut einen Pizzly. DNS-Tests ergaben, dass es sich bei dem Tier bereits um die zweite Generation eines Grolars handelte. Schon die Mutter war ein Grolar, der Vater ein Grizzly. Experten gehen davon aus, dass es aufgrund des Klimawandels in Zukunft häufig zu solchen Kreuzungen kommen wird. Hungrige Grizzlys wagen sich immer weiter in die Arktis vor, während Eisbären zunehmend auf das Festland ausweichen, weil das Eis schwindet.

Klimaerwärmung macht Zugvögel zu Standvögel

Eindeutig der Klimaveränderung zuzuschreiben sind veränderte Überlebensgewohnheiten bestimmter Vogelarten.
Der Anblick von riesigen Schwärmen von Zugvögeln könnte schon bald der Vergangenheit angehören. Forscher beobachten, dass Vögel zunehmend auf die Klimaerwärmung reagieren. Die Mönchsgrasmücke ist so ein Fall. Die Singvögel kehren früher an die Brutplätze zurück, legen früher Eier und brechen im Herbst später auf. Statt bis nach Spanien zu fliegen, hat eine Population sogar ein neues Überwinterungsgebiet auf den britischen Inseln erschlossen. Forscher des Max-Planck-Instituts für Ornithologie erbrachten nun in einem 14jährigen Selektionsexperiment den Beweis, dass sich innerhalb von nur zwei Generationen erste Populationen von Mönchsgrasmücken von Zugvögeln zu Standvögeln entwickeln können. "Bei Vögeln, die kurze bis mittlere Strecken von etwa 1000 Kilometern ziehen und bei denen das Zugverhalten genetisch bestimmt ist wie bei den meisten Singvögeln, kann dies eine erfolgreiche Überlebensstrategie sein", erläutert Projektleiter Francisco Pulido. Ganz anders sieht es bei Langstreckenziehern aus. Bei Zugvögeln, die große Barrieren wie Wüsten oder Meere überwinden, kann so ein Anpassungsmechanismus nicht funktionieren. Denn verkürzte Zugstrecken und eine Überwinterung im Meer oder in der Wüste sind unmöglich.

Biber torpedieren EU-Schutzprojekt

Nachdem die Biber beim jüngsten Hochwasser in Polen schon als "Dämmebrecher" beschuldigt waren, machen sie sich nun auch bei schwäbischen Naturschützern unbeliebt. Wer muss sich da wem anpassen?
Das Wurzacher Ried im Allgäu ist das größte zusammenhängende und noch intakte Hochmoor Westeuropas. Deshalb wurde die rund 1700 Hektar große Fläche in das Schutznetzwerk Natura 2000 aufgenommen und untersteht der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU. Doch jetzt haben Biber das Wurzacher Ried für sich entdeckt. Sie bauen Dämme und fluten Flächen, die eigentlich trocken bleiben sollten. Mit ihren Aktivitäten stellen die Biber damit die Renaturierungskonzepte für Moorschutzgebiete auf den Kopf. Trotzdem: Die Biber sollen bleiben und stattdessen in das Konzept eingebunden werden. Denn Biber schaffen mit neuen feuchten Flächen auch weitere Lebensräume für viele bedrohte Pflanzen- und Tierarten wie etwa Amphibien. "Die Pläne, die zum Erhalt des Moores entwickelt wurden, stammen noch aus einer Zeit, als der Biber sich noch gar nicht angesiedelt hat", sagt Thomas Kaphegy vom Institut für Landespflege der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Das neue Managementkonzept soll flexibel angelegt werden, dass es an die weiteren Aktivitäten des Bibers angepasst werden kann.

Fledermäuse - und sie unterhalten sich doch

Die für das menschliche Ohr unhörbaren Laute der Fledermäuse galten bislang zunächst als Navigationsinstrument. Sie dienen aber auch der Kommunikation und Identifikation der flatternden Individuen.
Fledermäuse produzieren Laute im Ultraschallbereich und nutzen das Echo zur akustischen Orientierung und Nahrungssuche in der Nacht. Das ist bekannt. Forscher des Leibnitz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) fanden nun heraus, dass Fledermäuse über die Echoortungsrufe tatsächlich auch kommunizieren. In Versuchen spielten sie einer Gruppe der Kleinen Hasenfledermaus Echoortungsrufe von ihnen bekannten und unbekannten Tieren vor. Darunter war die eigene Art, aber auch andere Fledermausarten. Zwar reagierten die Versuchstiere auf alle Rufe, doch besonders interessiert zeigten sie sich bei Rufen der eigenen Art. Auf diese Rufe antworteten sie mit speziellen Gegenrufen. War aus der eigenen Art ein Tier dabei, das die Versuchsgruppe noch nicht kannte, war die Aufregung besonders groß. Die Forscher gehen davon aus, dass die Fledermäuse so mit den Neulingen in Kontakt treten. Worüber sie sich unterhalten, bleibt allerdings ein Rätsel.

Sachsen Wölfe als jagdbares Wild?

Sollen die in der Lausitz zugewanderten Wölfe ins Jagdrecht aufgenommen werden? NABU hat dazu seine eigene Meinung.
Mit Unverständnis hat der Naturschutzbund Deutschland e.V. NABU auf die vom sächsischen Umweltminister Kupfer in Aussicht gestellte Aufnahme des Wolfes ins Landes- Jagdrecht reagiert. "Der Wolf gehört als geschützte Art nicht ins Jagdrecht. Aus Sachsen darf kein falsches Signal für andere Bundesländer ausgehen. Der bundeseinheitlich geregelte Artenschutz darf nicht durch das willkürliche Übertragen einzelner Arten in artenschutz-fremde Rechtsbereiche geschwächt werden", erklärte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Die Zahl der sächsischen Wölfe bilde nach wie vor nur eine kleine Teilpopulation, die von einem guten Erhaltungszustand, wie ihn die EU definiert, weit entfernt ist. Eine Bejagung sei damit ausgeschlossen. Der Übertrag des Wolfes ins Jagdrecht gefährde zudem den erfolgreichen Konsens des sächsischen Wolfsmanagements. Die sächsische Jägerschaft sei als anerkannter Naturschutzverband jederzeit in der Lage, den Schutz des Wolfes zu unterstützen. Erstmals seit 150 Jahren gibt es wieder Wölfe in Deutschland. Der NABU begleitet die Rückkehr der Wölfe mit dem Projekt "Willkommen Wolf!". Er informiert über Wölfe, setzt sich für den Erhalt ihrer Lebensräume ein und unterstützt den Aufbau eines ehrenamtlichen Netzwerkes von Wolfsbetreuern. (www.willkommen-wolf.de).


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