News aus der Natur und Tierwelt - Newsletter Juli 2010


Keine Rekordschmelze beim Arktis-Eis erwartet

Deutsche Forscher sind für dieses Jahr vorsichtig optimistisch. Grund zur Entwarnung gibt es aber nicht.
Was die Frühjahrsgutachten der Wirtschaftsinstitute für den Arbeitsmarkt, sind die Septemberprognosen der Klimainstitute zum Zustand des Arktis-Eis. 12 internationale Forschungsinstitute geben im Frühsommer eine Prognose zur Eisbedeckung der Arktis im September ab. Zu diesem Zeitpunkt hat das Eis seine geringste Ausdehnung. In Deutschland haben sich jetzt das Alfred Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) und der KlimaCampus der der Universität Hamburg festgelegt: Während die Campus-Forscher von 4,7 Millionen km² ausgehen, sind die AWI-Forscher mit 5,2 km² wesentlich optimistischer. Nach beiden Einschätzungen würde demnach das bisherige Rekordminimum von 2007 mit 4,3 Millionen km² in diesem Jahr nicht erreicht. Trotzdem besteht nach Ansicht der Wissenschaftler kein Grund zur Entwarnung. Denn die Eisfläche verringert sich nach wie vor dramatisch. Zum Vergleich: In den Jahren 1980 bis 1990 bedeckten im September immer mehr als 7 Millionen km² Eis die Arktis.

"Grüne Mauer" soll Sahara stoppen

Treffen von Staatschefs der Sahel-Szone im Tschad soll ehrgeiziges Projekt zur Eindämmung der Wüste voranbringen.
Immer weiter dringt in der afrikanischen Sahel-Zone, die sich vom Atlantik bis zum Roten Meer erstreckt, die wörtlich zu verstehende Verwüstung nach Süden vor: Die Sahara frisst alljährlich Hunderte von Quadratkilometern Wiede und Ackerland. Diese für die betroffen Menschen fatale Entwicklung soll durch die Errichtung einer "grünen Mauer" gestoppt werden: Auf rund 7700 Kilometer Länge soll ein bis zu 15 Kilometer tiefer Grünstreifen angepflanzt werden, mit Bäumen und Sträuchern, die dem trockenen Klima trotzen können. Eine solche Waldfront würde die Erosion stoppen, als Windschutz dienen und Wasser im Boden festhalten. Längerfristig würde fruchtbarer Humus für den Ackerbau entstehen.

Afrikanische Union und die betroffenen Staaten haben sich auf das Prinzip dieses Konzeptes schon länger geeinigt; es fehlt aber weiterhin an Mitteln, an Experten und an Koordination. Eine Konferenz von 10 Staatschefs der Sahel-Zone in N'djamena, der Hauptstadt des Tschad, soll hier greifbare Fortschritte bringen.

Federführend und vorbildhaft ist dabei der Senegal, der den Plan der Grünen Mauer auch bei der Klimakonferenz von Kopenhagen präsentierte. Das Land hat bereits rund 1,6 Millionen Euro für Pflanzprogramme bereitgestellt. Im Tschad wird derzeit ein Waldgürtel um die Hauptstadt N'djanema angelegt, die bis vor wenigen Jahrzehnten noch eine grüne Stadt war. Wichtig wären nun aber Pflanzungen entlang der Wüstenfront. In anderen Ländern steht die Grüne Mauer bisher nur auf dem Papier.

Klimaerwärmung macht Zugvögel zu Standvögel

Eindeutig der Klimaveränderung zuzuschreiben sind veränderte Überlebensgewohnheiten bestimmter Vogelarten.
Der Anblick von riesigen Schwärmen von Zugvögeln könnte schon bald der Vergangenheit angehören. Forscher beobachten, dass Vögel zunehmend auf die Klimaerwärmung reagieren. Die Mönchsgrasmücke ist so ein Fall. Die Singvögel kehren früher an die Brutplätze zurück, legen früher Eier und brechen im Herbst später auf. Statt bis nach Spanien zu fliegen, hat eine Population sogar ein neues Überwinterungsgebiet auf den britischen Inseln erschlossen. Forscher des Max-Planck-Instituts für Ornithologie erbrachten nun in einem 14jährigen Selektionsexperiment den Beweis, dass sich innerhalb von nur zwei Generationen erste Populationen von Mönchsgrasmücken von Zugvögeln zu Standvögeln entwickeln können. "Bei Vögeln, die kurze bis mittlere Strecken von etwa 1000 Kilometern ziehen und bei denen das Zugverhalten genetisch bestimmt ist wie bei den meisten Singvögeln, kann dies eine erfolgreiche Überlebensstrategie sein", erläutert Projektleiter Francisco Pulido. Ganz anders sieht es bei Langstreckenziehern aus. Bei Zugvögeln, die große Barrieren wie Wüsten oder Meere überwinden, kann so ein Anpassungsmechanismus nicht funktionieren. Denn verkürzte Zugstrecken und eine Überwinterung im Meer oder in der Wüste sind unmöglich.

Pottwal-Exkremente bekämpfen Treibhausgase

Die eisenreichen Ausscheidungen der riesigen Meeressäuger helfen bei der CO2-Reduktion
Die Ausscheidungen vor allem großer Säugetiere werden im Allgemeinen zu den "Klimakillern" gezählt, geben sie doch beachtliche Mengen Kohlensauerstoff und Methan in die Atmosphäre ab. Dies tun nun auch Wale, wenn sie ausatmen; eine andere Form von Produkt lässt aber gerade bei Pottwalen die "Klimabilanz" ins Positive drehen: Sie ernähren sich von Fischen und Tintenfischen, die sehr viel Eisen enthalten. Dieses Eisen scheiden sie in leicht abbaubarer Form als Exkrement wieder aus. Sie "düngen" somit die Meere und liefern den winzigen Meeresalgen Nahrung.

Dieser Teil des Planktons ist ein wichtiger CO2 Speicher, und australische Wissenschaftler haben ausgerechnet, dass die Pottwale über diesen Umweg alljährlich zum Abbau von 400 000 Tonnen CO2 beitragen, was dem Ausstoß von 80 000 PKWs entspricht. Die von den Walen ausgeatmeten CO2-Mengen sind dagegen marginal.

Mammut-Blutzellen mit "Frostschutzmittel"

Genetik-Forschung stellt überraschende Anpassung der Urzeit-Elefanten an kalte Temperaturen fest.
Forschern der Universität von Manitoba (Kanada) ist es gelungen, mit Hilfe der DNA tiefgefrorener Mammut-Blutzellen deren Hämoglobin zu rekonstruieren. Dabei fanden sie genetische Modifikationen, die dafür sorgten, dass das Mammut-Hämoglobin auch noch bei tiefen Temperaturen ausreichend Sauerstoff abgab – die Hauptaufgabe dieses Blut-Proteins.

Die Forscher entnahmen dem DNA dreier vom sibirischen Permafrost konservierten und mehrere zehntausend Jahre alten Mammuts die Gene des Hämoglobins. Die DNA-Informationen wurden in RNA-Moleküle umgewandelt, wie sie zur Produktion von Proteinen erforderlich sind und in E. coli-Bakterien eingebracht. Die Bakterien produzierten dann eine exakte Kopie des Mammut-Hämoglobins. "Das ist genauso präzise, als hätten wir eine Zeitreise gemacht und Blut eines lebenden Mammuts entnommen," erklärt der Genetiker Kevin Campbell.

Bei der Untersuchung entdeckten die Forscher dann drei deutliche genetische Abweichungen vom den Blutproteinen moderner Elefanten. Diese geänderten Sequenzen sorgten dafür, dass der im Hämoglobin gebundene Sauerstoff auch noch bei tiefen Temperaturen in normaler Menge freigegeben wurde - die Gene wirkten also wie ein Frostschutzmittel. Die Mammuts verbrauchten so weniger Energie und konnten sich in Lebensräumen behaupten, die anderen Warmblütern verschlossen waren.

Schimpansen auf Eroberungszug

Primaten töten gezielt Artgenossen – das ist bekannt. Allerdings geht es ihnen dabei nicht wie bisher angenommen um Futter oder Weibchen, sondern um zusätzliches Land.
Ein Team der University of Michigan beobachtete zehn Jahre lang 150 Tiere der Ngogo-Schimpansengruppe im Kibale Nationalpark in Uganda. Dabei fiel ihnen auf, dass sich männliche Schimpansen bei den Patrouillen an ihrer Reviergrenze nicht einheitlich verhielten. In einem Grenzgebiet drangen die Männchen sehr weit in das Nachbarrevier ein. Dabei bewegten sie sich sehr ruhig und diszipliniert. Entdeckten sie ein Weibchen oder ein Junges griffen sie es an und töteten es. Mit der Zeit gelang es den Schimpansen die Nachbarkolonie aus diesem Gebiet zu vertreiben und es selbst zu besetzen. Um 22 Prozent erweiterten sie so ihr Territorium.
Schon länger glauben einige Verhaltensforscher, dass Schimpansen – die nächsten Verwandten des Menschen – auch Kriege führen. Soweit wollen die Forscher aus dem Kibale Nationalpark nicht gehen. Allerdings zeige das Verhalten die Koalitionsfähigkeit einzelnen Schimpansen untereinander, und zumindest beim Menschen ist das eine Voraussetzung, um Krieg zu führen.

Adler-TV geht auf Sendung

Einen einmaligen Einblick in das Leben der seltenen Schreiadler bietet eine Live-Kamera, de die Deutsche Wildtier Stiftung vor einem Horst im Naturreservat Teici in Lettland installiert hat.
Anfang Juni ist der kleine Schreiadler geschlüpft. Seitdem lässt sich über eine Web-Kamera live und in Farbe mitverfolgen wie sich der Nachwuchs entwickelt. Ende Juli wird der kleine Schreiadler den Horst verlassen und dann etwa zwei Wochen lang dort immer wieder zurückkommen, erklärt Margit Meergans, Projektleiterin des Schreiadler-Schutzprogramms. Ende August wird der Greifvogel seinen Flug nach Afrika antreten. Schreiadler sind äußerst selten und in Deutschland vom Aussterben bedroht. Nur etwa 100 Brutpaare gibt es noch in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Zu sehen bekommt man den kleinsten der Greifvögel so gut wie nie – die Webkamera bietet deshalb eine einzigartige Chance, die Tiere zu beobachten.

Ziel der Deutschen Wildtier Stiftung ist es, den Lebensraum der Schreiadler in Europa und insbesondere in Deutschland zu verbessern. Um zu überleben brauchen die Greifvögel sowohl Wälder, in denen sie brüten können als auch offene Flächen zum Jagen. Gerade letztere sind durch die extensive Landwirtschaft selten geworden.
Live-Kamera unter www.deutschewildtierstiftung.de

An der Leine Kanada erleben

Die neueröffnete Themenwelt "Yukon Bay" im Zoo Hannover für die Besucher in die Wildnis Nordwest-Kanadas.
Wölfe mit bernsteinfarbenen Augen lauern am Ufer des Yukon. Eine Herde Karibus zieht vorbei, Bisons heben kurz den kopf und grasen weiter. An alten Bergwerken vorbei, in denen Murmeltiere ihr Zuhause finden, geht es zur malerischen Hafenstadt Yukon Bay, wo das Frachtschiff "Yukon Queen" seinen letzten Ankerplatz gefunden hat...

Diesen Ausflug in die Goldgräberwelt des 19. Jahrhunderts und gleichzeitig die Begegnung mit dem Lebensraum Nordkanada bietet der Zoo Hannover in der siebten und letzten seiner Themenwelten. Das Konzept des Zoos der niedersächsischen Landeshauptstadt, die übliche Käfighaltung aufzugeben und die Tiere in naturnahen Landschaften zu präsentieren, hat weltweit Anerkennung und inzwischen auch Nachahmung gefunden – "es gibt kein schöneres Kompliment", sagt dazu Zoodirektor Klaus-Michael Martens.

Die übrigen Themenwelten des Parks führen zum Sambesi, in einen Dschungelpalast und auf Mayers Hof, zum Gorillaberg, ins australische Outback und das Kinderland Mullewapp. Der Zoo in Hannover kann im Jahr 1,2 Millionen Besucher begrüßen.
Infos: www.zoo-hannover.de

Kampagne gegen das Artensterben geht in die zweite Runde

NABU weist mit Apollofalter, Laubfrosch und Weißstorch im Großformat auf drohende Verluste der Biodiversität hin.
Im Internationalen Jahr der biologischen Vielfalt und rund 100 Tage vor der Weltnaturschutzkonferenz im japanischen Nagoya (18. bis 29.Oktober) geht die NABU-Kampagne gegen das Artensterben in die zweite Runde. Unter dem Motto „Fast weg…“ machen ab sofort neben einem Fernsehspot wieder Großplakate an den wichtigsten deutschen Bahnhöfen sowie Infoscreens in vielen Städten auf das alarmierende Artensterben aufmerksam. Das neue Plakatmotiv ist der vom Aussterben bedrohte Apollofalter. Der Schmetterling leidet unter einer intensiven Landwirtschaft, die mit engen Fruchtfolgen und Pestiziden seine letzten Lebensräume zerstört. In Deutschland steht der Apollofalter seit 1936 unter Naturschutz, seit 1982 in der Europäischen Gemeinschaft. Als einziger nichttropischer Schmetterling wurde der Apollofalter in das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) aufgenommen. „Der Verlust von Lebensräumen und damit von biologischer Vielfalt ist neben dem Klimawandel aus Umweltsicht eine der größten Bedrohungen für Mensch und Natur. Gerade die intensive Landwirtschaft sowie der weitere Ausbau der Siedlungs- und Verkehrsfläche machen unserer Natur zu schaffen. Wir brauchen auf politischer Ebene einen Rettungsschirm für die biologische Vielfalt und besseren Schutz der Natur vor Ort. Das heißt mehr Förderprogramme zum Schutz der Natur sowie den Abbau schädlicher Subventionen in der Landwirtschaft“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke bei der Präsentation des neuen Motivs. Jede zweite einheimische Vogelart ist inzwischen gefährdet, über 70 Prozent der Lebensräume von Tieren und Pflanzen in Deutschland sind als gefährdet eingestuft. Insgesamt werden über 4.700 Großplakate im gesamten Bundesgebiet zu sehen sein. Neben dem Apollofalter machen Laubfrosch und Weißstorch im Großformat auf den Verlust von Arten und Lebensräumen aufmerksam.

Auf Schadstoffjagd in Kindertagesstätten

Sind gerade die Orte für unsere Jüngsten hoch belastete Giftquellen? BUND geht dieser Besorgnis erregenden Frage nach.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bietet Eltern an, Staubproben aus Kindertagesstätten auf Schadstoffe zu prüfen. Weichmacher, die Kunststoffen wie PVC mehr Elastizität verleihen, können aus Kinderspielzeug, Plastikmöbeln und Bodenbelägen ausströmen und von Kindern aufgenommen werden. Mit seiner Aktion "Zukunft ohne Gift" will der BUND auf Schadstoffe im Alltag aufmerksam machen und darüber informieren, wie die Umgebung von Kindern giftfrei gestaltet werden kann. Laut Umweltbundesamt ließe sich insbesondere der Weichmacher DEHP im Blut und Urin von praktisch allen Kindern nachweisen. Die Belastung von Kindern sei teilweise bereits so hoch, dass Schäden nicht mehr mit Sicherheit ausgeschlossen werden könnten. Weichmacher können die Ent­wicklung der Fortpflanzungsorgane und des Hormonsystems beeinträchtigen. Der BUND rät, überall dort, wo sich Kinder aufhalten, auf Weich-PVC zu verzichten. Spielzeug, Kindergeschirr, Boden- und Wandbeläge sollten aus PVC-freiem Material sein. Im Allgemeinen enthalten Plastikprodukte, die stark riechen, ausgasende Stoffe und sollten entsorgt bzw. gar nicht erst gekauft werden. Weitere Infos: presse@bund.de

CO²-frei in den Wanderurlaub

Wer in den Urlaub fährt hinterlässt immer einen CO²-Fußabdruck. Die Bahn bietet jetzt – ähnlich wie Atmosfair bei Flugreisen – eine Art Kompensation an.
Wer über die Bahn-Tochter Ameropa eine Fahrt in eines von 18 Schutzgebieten bucht, reist automatisch CO²-neutral an, verspricht die Bahn. Denn Ameropa kauft für diese Strecke Bahnstrom aus erneuerbaren Energien. Für den Urlauber ist dieser ökologische Mehraufwand kostenlos. Der Preis bleibt der Gleiche. Zu den Zielen, zu denen eine CO²-kompensierte Anreise möglich ist, zählen unter anderem die Nationalparke Bayerischer Wald, Berchtesgaden, Eifel und Jasmund sowie die Biosphärenreservate Pfälzerwald und Rügen. Infos: www.fahrtziel-natur.de


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